Wickelfalz, Zickzackfalz oder Kreuzfalz: Welche Falzart passt zu Ihren Inhalten?
Zwei Folder können dasselbe geschlossene Format und dieselbe Seitenzahl haben - und sich beim Lesen trotzdem deutlich unterscheiden. Bei einem öffnet sich zunächst eine einzelne Klappe, beim anderen lässt sich eine Folge gleichwertiger Flächen auseinanderziehen.
Die Falzart beeinflusst, welche Information zuerst sichtbar wird, welche Inhalte zusammenstehen und wie viel Fläche sich auf einmal betrachten lässt. Deshalb sollte sie feststehen, bevor Texte und Bilder endgültig verteilt werden.
Für die Auswahl hilft eine einfache Frage: Soll der Leser schrittweise durch ein Thema geführt werden, mehrere Informationen nebeneinander vergleichen oder eine große zusammenhängende Darstellung öffnen?
Was ein Falz aus einem Druckbogen macht
Beim Falzen erhält ein Papierbogen eine definierte Faltkante. Dadurch entstehen einzelne Felder, die zusammen das spätere Druckprodukt bilden.
Ein mittig gefalteter Bogen hat beispielsweise vier bedruckbare Seiten: Vorder- und Rückseite sowie zwei Innenseiten. Zwei parallele Falzungen können einen sechsseitigen Folder ergeben. „Sechsseitig“ bezeichnet dabei sechs gestaltbare Flächen, nicht sechs einzelne Papierblätter.
Für die Planung werden zwei Formate unterschieden:
- Offenes Format: die Abmessungen des auseinandergefalteten Produkts.
- Geschlossenes Format: die Abmessungen nach dem vollständigen Zusammenlegen.
Beide Angaben sind wichtig. Ein kompakter Folder kann geöffnet eine überraschend große Fläche beanspruchen.
Die wichtigsten Falzarten im Überblick
| Falzart | Aufbau | Möglicher Einsatz |
|---|---|---|
| Einbruchfalz | Ein Falz, häufig mittig; vier Seiten | Einladung, kurze Leistungsinformation |
| Wickelfalz | Felder werden nach innen um ein anderes Feld gelegt; klassisch sechsseitig | Unternehmensvorstellung, Produktinformation |
| Zickzackfalz | Parallele Falze mit wechselnder Richtung; auch Leporellofalz genannt | Programm, Ablauf, gegliederte Übersicht |
| Kreuzfalz | Aufeinanderfolgende Falze verlaufen im rechten Winkel zueinander | Übersichtskarte, Plan, aufklappbare Grafik |
Die technischen Grundformen unterscheiden sich vor allem durch Richtung und Anordnung der Falzungen. Ein Kreuzfalz mit zwei Brüchen erzeugt beispielsweise acht Seitenflächen.
Technische Übersicht der Falzarten
Welche Variante inhaltlich überzeugt, lässt sich am besten am geplanten Einsatz beurteilen.
Wickelfalz: Informationen beim Öffnen entwickeln
Für eine Leistungsübersicht kann ein Wickelfalz eine nachvollziehbare Reihenfolge schaffen: Auf dem Titel steht das zentrale Thema. Nach dem ersten Öffnen wird eine kurze Einführung sichtbar. Vollständig aufgeklappt folgen die ausführlicheren Informationen.
Ein denkbares Beispiel ist ein sechsseitiger Folder für ein Beratungsangebot:
- Der Titel benennt Anlass und Nutzen des Angebots.
- Die Einschlagklappe beantwortet die erste wichtige Frage des Lesers.
- Die drei inneren Felder erläutern Leistungen, Ablauf und Voraussetzungen.
- Die Rückseite enthält Kontakt und den nächsten Schritt.
Das ist eine mögliche redaktionelle Aufteilung. Die genaue Position jedes Feldes muss am Falzmuster festgelegt werden.
Technisch verdient die eingeschlagene Klappe besondere Aufmerksamkeit: Sie wird üblicherweise etwas schmaler angelegt, damit sie beim Schließen ausreichend Platz hat. Wie groß die Verkürzung sein muss, hängt von Konstruktion und Papier ab. Drei gleich breite Spalten sind deshalb nicht automatisch eine passende Vorlage für einen Wickelfalz.
Zickzackfalz: Zusammenhänge nebeneinander zeigen
Ein Zickzackfalz bietet sich an, wenn die Flächen als zusammenhängende Reihe funktionieren sollen.
Für ein Veranstaltungsprogramm könnten die Felder beispielsweise verschiedene Tagesabschnitte enthalten. Für eine Leistungsübersicht ließe sich jedem Feld ein eigener Bereich zuordnen. Ein Prozess kann vom ersten Schritt bis zum Ergebnis über mehrere Felder geführt werden.
Die Gestaltung sollte dabei auch geöffnet verständlich bleiben. Wiederkehrende Überschriften, ein einheitliches Raster und klare Übergänge helfen bei der Orientierung.
Ein durchgehendes Bild oder eine Grafik kann die Felder verbinden. Wichtige Details sollten allerdings nicht zufällig auf einer Falzkante liegen. Eine Produktbezeichnung, ein Gesicht oder ein kleiner Zahlenwert kann dort schwerer erkennbar sein.
Prüfen Sie außerdem, ob das Produkt nur von einer Seite aus gelesen werden soll oder beide Außenseiten einen Einstieg ermöglichen. Das beeinflusst Titel, Beschriftung und Leserichtung.
Kreuzfalz: Eine große Fläche kompakt unterbringen
Ein Kreuzfalz kann sinnvoll sein, wenn das geöffnete Produkt vor allem als Gesamtfläche gebraucht wird. Denken Sie etwa an einen Lageplan mit beschrifteten Bereichen oder eine technische Übersicht.
Für einen solchen Plan könnte die geschlossene Vorderseite eine eindeutige Bezeichnung tragen. Nach dem Öffnen ist die zusammenhängende Darstellung sichtbar; ergänzende Erläuterungen stehen auf der anderen Bogenseite.
Bei dieser Konstruktion ist die Orientierung der Inhalte besonders wichtig. Auf dem offenen Druckbogen können einzelne Elemente gedreht angeordnet sein, damit sie in der vorgesehenen Öffnungsposition richtig stehen.
Ein Kreuzfalz ist außerdem nicht automatisch wie ein kleines Heft zu lesen. Wenn Leser fortlaufend von einer Seite zur nächsten blättern sollen, muss geprüft werden, ob diese Nutzung mit der gewählten Ausführung tatsächlich funktioniert.
Erst ein Papiermuster, dann das Layout
Ein unbedrucktes Falzmuster kostet wenig Zeit und beantwortet Fragen, die am Bildschirm leicht übersehen werden.
Für einen ersten Entwurf reicht ein Blatt Papier:
- Bringen Sie es auf das ungefähr geplante offene Format.
- Falten Sie es in der vorgesehenen Reihenfolge.
- Beschriften Sie das geschlossene Muster mit Titel und Rückseite.
- Öffnen Sie es schrittweise und notieren Sie die Funktion der sichtbaren Flächen.
- Legen Sie es vollständig auseinander und übertragen Sie die Anordnung in das Layout.
Damit prüfen Sie die inhaltliche Logik. Für verbindliche Feldbreiten und Falzpositionen wird anschließend die Produktionsvorlage benötigt.
Zeigen Sie das Muster auch einer Person, die das Projekt noch nicht kennt. Öffnet sie es wie vorgesehen? Findet sie die Kontaktangaben? Versteht sie, wo der Text weitergeht? Solche Beobachtungen sind oft hilfreicher als eine weitere Diskussion über die Bildschirmansicht.
Papier und Falzung gemeinsam auswählen
Wie ein Folder öffnet und schließt, hängt auch von Papierdicke, Steifigkeit, Oberfläche und Faserlaufrichtung ab.
Ein kräftiges Papier kann bei einer einfachen Klappkarte passend wirken. Bei mehreren ineinanderliegenden Feldern nimmt seine Dicke jedoch zusätzlichen Platz ein. Die Konstruktion muss das berücksichtigen.
Je nach Papier und Druckausführung kann vor dem Falzen eine Rillung sinnvoll sein. Sie bereitet die Biegestelle vor und kann das Risiko sichtbarer Brüche an der Falzkante reduzieren. Ob sie erforderlich ist, lässt sich nicht allein aus einer pauschalen Grammaturgrenze ableiten.
Bei mehreren Falzrichtungen müssen zudem unterschiedliche Anforderungen an die Faserlaufrichtung gegeneinander abgewogen werden. Die Materialentscheidung gehört deshalb früh in die Abstimmung mit der Weiterverarbeitung.
Ein Muster aus dem vorgesehenen Papier zeigt anschließend mehr als ein Modell aus gewöhnlichem Kopierpapier: Es macht Dicke, Rückstellverhalten und Handhabung erfahrbar.
Checkliste: Was vor dem finalen Layout feststehen sollte
Für die Umsetzung sollten diese Angaben eindeutig vorliegen:
Ein guter Folder bringt Inhalt und Handhabung zusammen. Er lässt sich verständlich öffnen, bietet ausreichend Platz für seine Informationen und funktioniert in dem Moment, in dem er tatsächlich gebraucht wird.
Printmedia experts stimmt Format, Material und Weiterverarbeitung mit Ihnen ab - auch bei individuellen Falzungen und Sonderproduktionen.
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